11 Fragen an Dr. med. Fuschelberger

  • Lesedauer:20 min Lesezeit

Es ist Mittwochabend, mit Diktiergerät und Mundschutz ausgestattet betrete ich die Praxis des Gesundheitszentrum Fuschelberger. „WOW!“, denke ich, „Wäre ich hier Patientin, würde ich regelmäßig Termine vereinbaren, denn der Warte- als auch jeder Behandlungsraum laden zum Bleiben ein!“

Es scheint, als stünde jeder Stuhl, jede Lampe, jede Pflanze und jedes Regal genau an der richtigen Stelle. Dazu eine Farbkombination die so gar nicht an eine Arztpraxis erinnert. Hier hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht, um den Aufenthalt von Patienten und Mitarbeitern in der Praxis von Herr Dr. Fuschelberger so angenehm wie möglich zu gestalten.

Schön, dass du hier bist! Auf meinem Blog möchte ich verschiedene Themen rund um Reizdarm, Ernährung & Co. erklären, hinterfragen und diskutieren.

Deine Susi

Herr Dr. med. Roland Fuschelberger im Wartezimmer des Gesundheitszentrum Fuschelberger in Hall i. Tirol im Gespräch mit myFODMAP.

Als langjähriger Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmediziner ist Herr Dr. Fuschelberger sehr erfahren im Umgang mit Patienten, die unter Verdauungsproblemen wie Reizdarm, Unverträglichkeiten, entzündliche Darmerkrankungen usw. leiden. Es ist mir daher eine große Freude ihm heute meine und auch eure via Instagram gesammelten Fragen zu den Themen Low Fodmap Ernährung und Darmprobleme stellen zu dürfen.

Hier findest du alle 11 Fragen im Überblick. Klicke darauf und gelange direkt zur Antwort.

8. Was ist der Grund bzw. was kann man tun, wenn die Beschwerden trotz Low Fodmap zurückkommen?

Ich treffe kaum eine Person, die nicht unter Darmbeschwerden leidet oder nicht mit einem diagnostizierten Reizdarm zu kämpfen hat. Warum gibt es in der heutigen Zeit so viele Menschen, die unter Problemen mit der Verdauung leiden?

Dr. Fuschelberger: 

Ein Reizdarm wird dann festgestellt, wenn alle anderen möglichen Ursachen wie entzündliche Darmerkrankungen, Lebensmittelintoleranzen und andere Allergien bzw. Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Je genauer man allerdings hinschaut, desto kleiner wird die Zahl an Reizdarmpatienten, da in vielen Fällen doch ein zugrundeliegender Auslöser der Beschwerden gefunden werden kann. Nichtsdestotrotz bleibt die Zahl der Reizdarm Betroffenen hoch und das kann meiner Meinung nach auf zwei wesentliche Faktoren zurückgeführt werden:

  1. Der Darmbereich ist auch ein psychosomatischer Bereich, auf den Stressfaktoren starken Einfluss nehmen können.
  2. Umweltfaktoren wie Toxine und Antibiotikagaben wirken sich stark auf die Darmflora aus.

Der Mensch ist zum Glück sehr anpassungsfähig und hält vieles aus, doch wenn das Belastungsfass einmal voll ist, reicht eine Banalität aus, um es zum Überlaufen zu bringen.
Aus diesem Grund ist es wichtig, jede Situation der Betroffenen individuell zu betrachten, um herauszufinden, welche Ursachen ausschlaggebend für das Beschwerdebild sein können.
So ist es bei Patienten, die von Beschwerden seit Kindheitstagen berichten, häufig eine versteckte Unverträglichkeit, die es zu entdecken gilt.

Anders ist es, wenn Patienten einen eindeutigen Zeitpunkt definieren können, wann die Beschwerden das erste Mal begonnen haben. Dabei ist es besonders wichtig im Anamnesegespräch genau darauf einzugehen. Dieses Gespräch gibt oft sehr viel Aufschluss darüber, was die Ursache für die Beschwerden sein kann. Meist deutet dies nämlich auf einen Infekt zu diesem Zeitpunkt hin, der in Folge die Reizdarmbeschwerden ausgelöst hat.

Welchen Rat erhält ein Patient jedenfalls im Gesundheitszentrum Fuschelberger?

Dr. Fuschelberger:

Ganz klar: Ernährungsumstellung. Mithilfe einer Ernährungsumstellung verändert sich der ganze Mensch. Es dauert ca. drei Wochen und das eigene Mikrobiom, also die Bakterien im Darm, beginnt sich zu verändern. Ändert sich die Darmflora, verändern sich die Botenstoffe und dadurch wiederum können sich z.B. Entzündungen bessern. Demnach bewirkt eine Ernährungsumstellung immer etwas.

Ganz pragmatisch könnte man sagen, dass jeder Mensch, der unter einer chronischen Erkrankung mit unklarer Ursache leidet, seine Ernährung verändern sollte. Denn eine chronische Erkrankung ist ein Teil davon, wie der Betroffene bisher gelebt hat und dabei spielt die Ernährung eine wesentliche Rolle. 

Im ersten Moment ist es gar nicht so wichtig, inwiefern die Ernährung umgestellt wird. Ob ein Wechsel von High Carb auf Low Carb gemacht oder ober der Fleischkonsum reduziert bzw. erhöht wird, ob ein Veganer auf Vegetarisch umstellt oder umgekehrt – Es kommt zunächst lediglich auf die Veränderung an.

Die australische Low Fodmap Diet eignet sich dafür besonders gut. Sie ist wissenschaftlich belegt und stellt eine sehr ausgewogene und gesunde Ernährungsform dar. Es werden lediglich bestimmte blähende und reizende Lebensmittel durch verträglichere und meist gesündere Alternativen ausgetauscht.

“Ich möchte meine Patienten ins Tun bringen.”

Allerdings tritt bereits bei diesem ersten Schritt eine entscheidende Hürde auf: die mangelnde Flexibilität und oft fehlende Bereitschaft des Menschen Dinge zu verändern.

Ich sehe daher wenig Sinn darin, wenn Betroffene ständig an der Hand genommen werden. Ich möchte meine Patienten ins Tun bringen. Dies kann nur dann passieren, wenn die Veränderung verinnerlicht wird und ein Wille entsteht, etwas zu verändern. Mit diesem inneren Antrieb ist es die Aufgabe des Betroffenen sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und dadurch selbst zu einer Art „Experte“ zu werden. 

Natürlich sollte der Patient mit seinem behandelnden Arzt Rücksprache halten bei Fragen, aber den Großteil und besonders den Start der Low Fodmap Ernährungsform sollte der Patient selbst in die Hand nehmen.

Essen ist ein körperliches Bedürfnis. Doch auch unsere Seele hat dabei ein Wörtchen mitzureden. Welche Rolle spielen die Emotionen bei Menschen mit Reizdarm oder Reizdarm-ähnlichen Symptomen?

Dr. Fuschelberger:

Ich betrachte meine Patienten immer im Gesamten. Dabei spielen Emotionen und psychische Verfassung natürlich eine wesentliche Rolle, die für eine erfolgreiche Behandlung miteinbezogen werden müssen.

Es kommt daher schon auch vor, dass ich mit den Betroffenen gemeinsam die Behandlungserweiterung durch Bauch-Hypnose oder durch eine Psychotherapie mit systemischem Ansatz in Betracht ziehe. Das bedeutet keinesfalls, dass die Beschwerden nicht ernst genommen werden, im Gegenteil – oft haben körperliche Symptome ihre Wurzeln in der Psyche. 

Studien konnten zeigen, dass Reizdarmpatienten auf einen geringeren Dehnungsreiz des Darms mit mehr Schmerz reagieren und vegetativ empfindlicher sind als Personen ohne Reizdarm. Daher befürworte ich vegetative Ansätze in der Behandlung von Reizdarmbeschwerden in jedem Fall. Den Einsatz von Psychopharmaka / Antidepressiva sehe ich aber als Ultima Ratio, also als letzten möglichen Lösungsansatz. Bevor ich diese Behandlungsform empfehle, ist es mir wichtig, alles mir und dem Patienten Mögliche versucht zu haben.

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Die Low Fodmap Ernährungsform soll in erster Linie Menschen mit Reizdarmsyndrom helfen ihre Beschwerden zu lindern. Können auch Menschen ohne Diagnose „Reizdarm“ das Low Fodmap Prinzip verfolgen?

Dr. Fuschelberger:

Die Low Fodmap Ernährungsform ist keinesfalls nur für Reizdarm-Betroffene eine gesunde Art der Ernährung, sondern durchaus auch für gesunde Menschen geeignet. Diese Form der Ernährung ist keine strenge Diät, sondern ersetzt reizbare und blähende Lebensmittel durch bekömmlichere Alternativen. Das kann uns allen guttun.

So gibt es auch Personen, die merken gar nicht, dass sie eine vermehrte Gasbildung in ihrem Darm haben. Sehr auffallend ist das bei schlanken Menschen, deren Bauch sichtbar nach außen gewölbt ist. Auch in solchen Fällen bietet sie Low Fodmap jedenfalls an.

Eine erhöhte Gasbildung allein sollte nicht als unwichtig abgetan werden. Die dadurch entstehenden Fäulnisgase beinhalten nämlich Fäulnisalkohole, welche die Leber belasten können. Die Folgen davon können chronische Müdigkeit und Reizbarkeit sein. Zu viel Rohkost beispielsweise kann vermehrte Blähungen verursachen. Es ist daher ratsam nicht jedes Gemüse in roher Form zu verzehren.

Wie streng sollte man sich, besonders zu Beginn, an die Low Fodmap Lebensmittellisten halten? Gibt es auch eine abgeschwächte Methode für Einsteiger?

Dr. Fuschelberger:

Entscheidend ist die Ausgangssituation des Patienten. Wenn jemand unter eher geringen Beschwerden leidet, dann ist es ratsam sich jene Lebensmittel genauer anzusehen, die regelmäßig gegessen werden. Wenn viele High Fodmap Produkte dabei sind, dann ersetzt man diese durch Low Fodmap Alternativen und beobachtet, ob eine Besserung der Beschwerden eintritt.

Wie streng der Einstieg in die Low Fodmap Ernährung gemacht wird, ist auch immer abhängig davon, wie sehr die Darmbeschwerden die Lebensqualität des Einzelnen einschränken.

Ist der Darm allerdings stark gereizt und wurde eventuell sogar ein Leaky Gut, also ein undichter Darm, festgestellt, so braucht dieser unbedingt Zeit zur Regeneration. Dafür ist die Bildung einer strengen Schnittmenge an Lebensmitteln sehr wichtig, um abzugrenzen, was in dieser Zeit gegessen werden soll und was nicht. Dabei muss auch auf Lebensmittel verzichtet werden, die bei einem intakten Darm an sich gesund wären, allerdings bei einem überreizten Darm mehr belasten als fördern. Besonders in Phase 1 der Low Fodmap Ernährung sollte daher auch auf diese Lebensmittel verzichtet werden.

Ich vergleiche es gerne mit einem Beinbruch. Damit ein gebrochenes Bein heilen kann, wird es mit einem Gips ruhiggestellt. Obwohl uns allen bewusst ist, dass regelmäßiger Sport gesund ist, muss in dieser Heilungsphase temporär darauf verzichtet werden.

Gleiches gilt für den Darm. In der Zeit der Darmregeneration sind also nicht die gleichen Lebensmittel „gesund“, wie bei einem intakten Darm. Allerdings sollte der Darm auch nicht überschont werden! Nach 4-8 Wochen ist jedenfalls Schluss mit Schonung und der Wiederaufbau beginnt. Wie beim gebrochenen Bein nach der Schonzeit die Physiotherapie üblicherweise startet, muss auch der Darm nach der Schonung wieder gereizt (im positiven Sinne) werden, damit er seine Tätigkeit wieder vollständig aufnehmen kann.

“[…] ein gesunder Darm hält ein üppiges Abendessen schon aus, wenn er auch wieder Phasen der Erholung erhält.”

Gleich wie eine Überschonung, gilt es ebenso eine erneute Überreizung des Darms zu vermeiden. Die Balance ist entscheidend. Es ist wie ein Pendel mit beiden Extremen. Das bedeutet, ein gesunder Darm hält ein üppiges Abendessen schon aus, wenn er auch wieder Phasen der Erholung erhält. Diese Phasen spielen sich auch auf der Alltagsebene ab: Das Frühstück stellt einen Reiz dar. Darauf sollten ein paar Stunden ohne Nahrungsaufnahme zur Erholung folgen. Das Mittagessen stellt den zweiten Reiz dar usw. Somit kann jeder selbst die Zyklen im Großen als auch im Kleinen steuern.

Bei manchen Ernährungsformen hört man, dass es zu Mangelerscheinungen kommen kann. Ist das auch bei der Low Fodmap Ernährungsform der Fall und können Nahrungsergänzungsmittel helfen?

Dr. Fuschelberger:

Wie bereits erwähnt, ist eine Low Fodmap Ernährungsform keine Diätform, wobei auf eine ganze Lebensmittelgruppe verzichtet wird. Deshalb besteht kein Grund zur Sorge, dass es zu Mangelerscheinungen kommen könnte.

Wieder gilt, je mehr sich jemand mit der Thematik der Ernährung auseinandersetzt, desto besser kann der Bedarf an Vitaminen und Nährstoffen allein durch die Nahrung abgedeckt werden. Selbst dann, wenn man sich beispielsweise für eine vegane Low Fodmap Ernährungsform entscheidet. Wenn man aber trotzdem Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen will, so stellt das kein Problem dar. Es ist in den meisten Fällen nicht notwendig, aber nicht verboten.

Um Mangelerscheinungen entgegenzuwirken ist es viel wichtiger, regelmäßig eingenommene Medikamente zu betrachten, da diese Auswirkungen auf die Spurenelemente haben können. Je nachdem sind in diesen Fällen Supplements eine gute Ergänzung. Beispielsweise liegt die Ursache eines Vitamin B12 Mangels häufig in der regelmäßigen Einnahme der Pille oder von Magensäureblockern.

Ist es ratsam eine ärztliche Begleitung für die Low Fodmap Ernährungsform in Anspruch zu nehmen? Können Nebenwirkungen auftreten?

Dr. Fuschelberger:

Aus meiner Sicht braucht es für die Umstellung auf Low Fodmap keinen Arzt an der Seite des Patienten. Es gibt alle notwendigen Informationen im Internet, wie beispielsweise auf deinem Blog, da kommt vom Arzt auch nicht viel mehr. Wie ich schon gesagt habe, der Patient soll selbst ins Tun kommen, dafür braucht es keinen Arzt.

Streng genommen kann es bei jeder Form der Ernährungsumstellung zu Nebenwirkungen kommen. Ganz einfach aus dem Grund, weil sich der Körper verändert. Sollte es im Rahmen der Umstellung auch noch zu einer merklichen Gewichtsreduktion kommen, so können im Fett gespeicherte Giftstoffe freigesetzt werden. Dabei können bestimmte temporäre Nebenwirkungen auftreten, die aber unbedenklich sind.

Was ist der Grund bzw. was kann man tun, wenn die Beschwerden trotz Low Fodmap zurückkommen?

Dr. Fuschelberger:

Wenn die Beschwerden nach einer erfolgreichen Low Fodmap Umstellung wieder zurückkehren, gibt es meiner Erfahrung nach meistens folgende zwei Ursachen:

Entweder wird die Low Fodmap Ernährung nicht mehr konsequent verfolgt und es schleichen sich immer mehr Fodmaps in die alltägliche Nahrung ein.

Es kann auch zu einem sog. Symptom Switch kommen. Das kann man sich folgendermaßen vorstellen: Durch die Veränderung der Ernährung kommt es zu einer Verbesserung der Beschwerden und eine Positiv-Spirale wird in Gang gesetzt. Oftmals wirkt auch ein gewisser Placebo Anteil mit. Placebo ist leider immer noch sehr oft negativ behaftet, obwohl er eigentlich sehr wertvoll für die Heilung des Körpers ist. Placebo bedeutet nämlich die Selbstheilung des Körpers anzuregen und das ist jedenfalls förderlich.

Wenn nun der Ursprung der Beschwerden nicht nur im Darm liegt, sondern beispielsweise auch auf vegetativer Ebene, dann kommen die Beschwerden wieder zurück. Es kann auch sein, dass sich die Beschwerden plötzlich verlagern und statt Darmproblemen auf einmal Kopf- oder Knieschmerzen auftreten, die für den Patienten unerklärlich sind. Da heißt es dann in jedem Fall einen weiteren Betrachtungswinkel zu wählen, um die tatsächliche Ursache der Beschwerden feststellen zu können.

Vereinfacht gesprochen ist der menschliche Körper immer auch Ausdruck der Psyche und bestimmte Auslöser körperlicher Beschwerden liegen auch auf psychischer Ebene.

Worauf sollten Betroffene bei der Auswahl von Präbiotika und Probiotika achten?

Dr. Fuschelberger:

Die Zugabe von Präbiotika und Probiotika ist kein Muss, aber in bestimmten Situationen jedenfalls empfehlenswert. Besonders nach der Einnahme von Antibiotika sind solche Präparate wichtig, um die Darmflora wieder aufzubauen.

Grundsätzlich gilt, je größer die Bakterienvielfalt im Darm ist, desto besser. Dies können wir über eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung fördern. Da unsere Ernährung in der westlichen Welt aber sehr eingeschränkt ist, hat das unmittelbare Auswirkungen auf unsere Darmflora.

Mithilfe von Pro- und Präbiotika soll die Ansiedelung unterschiedlicher Bakterien unterstützt werden. Ein Probiotikum liefert verschiedene Bakterienstämme und ein Präbiotikum liefert Ballaststoffe, Fasern und Nährstoffe für die Bakterien, quasi deren Nahrung.

Mit Stand heute weiß man, dass die Darmflora wesentliche Auswirkungen auf das eigene Wohl hat und es gibt bereits sehr gute Methoden, um das Mikrobiom zu analysieren. Trotzdem kann nach der Untersuchung nicht das eine richtige Präparat empfohlen werden, dazu ist die Zusammensetzung der Darmflora zu komplex.

Jedes Mikrobiom ist einzigartig, wie ein Fingerabdruck und obwohl sie sich durch eine Ernährungsumstellung verändern und verbessern lässt, existiert eine gewisse unveränderbare Bandbreite der Darmflora, die genetisch vorgegeben ist.

Ich rate meinen Patienten daher dazu, Präparate für eine Dauer von 6 -12 Wochen einfach einmal auszuprobieren. Es sei, das Präparat gibt eine kürzere Dauer vor. Wenn nach gut zwei bis drei Monaten aber keinerlei Verbesserung festgestellt werden kann, dann sollte die Einnahme gestoppt werden.

Bei der Auswahl der Präparate achtet man am besten darauf, wie viele Bakterienstämme enthalten sind und in welcher Dosis. Die Devise lautet: Je mehr, desto besser! Erfahrungen zeigen, dass hochpreisige Produkte in diesem Segment tatsächlich auch eine bessere Qualität liefern.

Die Einnahme von Pro- und Präbiotika ersetzen aber keinesfalls eine ausgewogene und vielseitige Ernährung! Wer regelmäßig Junk-Food und Produkte mit künstlichen Zusatzstoffen konsumiert, kann von den Präparaten auch kein Wunder erwarten.

Zusammengefasst kann man sagen, dass eine vielseitige Ernährung unabdingbar für eine vielseitige Bakteriendiversität im Darm ist. Die Einnahme von Pro- und Präbiotika ist eine Option, aber kein Muss, es sei denn nach einer Anitbiotikagabe, denn da ist die Einnahme solcher Präparate jedenfalls sinnvoll. Welches Produkt für den einzelnen die beste Wirkung erzielt, kann nur durch zeitlich begrenztes Ausprobieren festgestellt werden.

Sind Lebensmittelunverträglichkeitstests verlässlich und können sie Betroffenen helfen?

Dr. Fuschelberger:

Lebensmittelunverträglichkeitstest eignen sich jedenfalls, um sich einen Überblick zu verschaffen, besonders was Standardlebensmittel wie Getreide, Milcheiweiß, Hühnerei und Soja, angeht. Zusätzlich sollten im Rahmen der Ursachenfindung der Verdauungsbeschwerden auch Fruktose, Milchzucker und Histamin getestet werden.

Eine Fruktosemalabsorption kann sich beispielsweise stark auf den Stoffwechsel auswirken. Denn dadurch wird die Tryptophan Aufnahme im Darm gehindert, was aber notwendig für die Herstellung von Serotonin ist. Folgen einer Fruktosemalabsorption können daher Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und depressive Stimmung sein. 

Zu viel Fruchtzucker in der Ernährung fördert auch die Fettleber und erhöht die Harnsäure. Von regelmäßigem Smoothie rate ich meinen Patienten daher ab, da sich darin Fruktose in sehr hoher Konzentration befindet.

Die Frage des Histamins ist ebenfalls sehr interessant. Wenn auch Schulmedizinisch nicht wirklich anerkannt, wird immer häufiger eine Histaminunverträglichkeit festgestellt. Es kann aber auch sein, dass Patienten bestimmte histaminhaltige Lebensmittel vertragen und andere nicht. Dabei muss man für sich selbst herausfinden, was einem bekommt.

Histamin ist zudem stressabhängig und äußert sich dann in Form von Verdauungsbeschwerden. Es kommt also vor, dass manche Menschen im Urlaub einen niedrigeren Histaminspiegel aufweisen und bestimmte Lebensmittel dann plötzlich besser vertragen. Doch nicht nur auf die Verdauung wirkt sich ein zu hoher Histaminspiegel aus. Auch andere Symptome wie zum Beispiel Herzrasen, Herzstolpern, Müdigkeit und Schwindel können darauf hinweisen.

Vitamin C, Zink und Zeolith können hierbei unterstützen die Abdichtung im Darm zu verstärken und binden zudem Histamin im Verdauungstrakt.

Die Meinung über Lebensmittelunverträglichkeitstests ist sehr gespalten. Es wird diesen Tests oft nachgesagt, dass dabei ohnehin immer irgendetwas herauskommen würde. Bei Kiweno haben wir aber die Erfahrung gemacht, dass sich immer mehr beschwerdefreie Menschen „einfach so“ aus Interesse testen lassen. Dabei kommt häufig ein negatives Testergebnis heraus. Es ist also nicht der Fall, dass immer eine Unverträglichkeit entdeckt wird. Der Test zeigt auch an, wenn keine Unverträglichkeit besteht.

Wenn doch eine Unverträglichkeit festgestellt wird, ist es ratsam auf diese Lebensmittel zu verzichten und zu beobachten, wie es einem geht. Im weiteren Schritt kann dann auf eine Low Fodmap Ernährung umgestellt werden.

Ich rate meinen Patienten immer dazu sich in erster Linie auf jene Lebensmittel zu konzentrieren, welche sie regelmäßig konsumieren. Es ist daher etwas anderes, ob der Lebensmittelunverträglichkeitstest besagt, dass eine Unverträglichkeit bei Weizen oder bei einer Kiwi besteht. Weizen befindet sich in einer Vielzahl an Lebensmittel, während Kiwi normalerweise nur gelegentlich gegessen wird. Der Verzicht auf das eine hat also signifikantere Auswirkungen als der Verzicht auf das andere Lebensmittel.

Können hormonelle Verhütungsmethoden eine Auswirkung auf Verdauungsstörungen haben bzw. kann ein Zusammenhang zwischen starken Menstruationsbeschwerden, hormoneller Verhütung und Verdauungsproblemen bestehen?

Dr. Fuschelberger:

Hormone beeinflussen den gesamten Körper und wirken sich damit auch auf die Darmflora aus. Wenn eine Verschlechterung der Reizdarmsymptome durch die Pille festgestellt wird, sollte mit dem Gynäkologen über das Absetzen der Pille gesprochen werden. 

Starke Menstruationsbeschwerden können auch durch einen Überschuss an Histamin verstärkt werden. In dieser Zeit ist es daher ratsam auf histaminhaltige Lebensmittel zu verzichten. Histamin hat oft einen größeren Einfluss, als man glaubt. Rund 30% meiner Migränepatienten erfahren eine wesentliche Verbesserung, wenn sie auf Histamin verzichten. 

Auch ein relativer Progesteronmangel verstärkt die Menstruationsbeschwerden. Je stärker die Beschwerden, desto eher kann von einem solchen ausgegangen werden. Eine wirkungsvolle pflanzliche Unterstützung bietet hier zum Beispiel die Einnahme von Mönchspfeffer.

Dr. Roland Fuschelberger über sich und seine Arbeit:

“Aufgrund meiner langjährigen medizinischen Tätigkeit ist mir bei meiner Arbeit bewusst:

Arzt zu sein heißt, meine Patienten im Falle einer Erkrankung umfassend zu betreuen.

Das bedeutet für mich, den Menschen in seiner komplexen Gesamtheit zu erfassen, in seinem Umfeld zu sehen, Körper, Geist und Seele nicht zu trennen
und sich immer wieder zu fragen, warum gerade jetzt diese oder jene Erkrankung aufgetreten ist.

Das implementiert zwangsläufig die Verbindung von Schulmedizin und Komplementärmedizin zu einem sinnvollen Ganzen, je nach Ausgangslage und Bedürfnissen der Patienten. Mein medizinisches Konzept ist daher die Integrative Medizin – von beiden Welten das Beste -, mit dem ich seit vielen Jahren erfolgreich für meine Patienten da bin.

Der Arzt kann aber nur als Katalysator und Begleiter bzw. Partner funktionieren. Denn nicht der Arzt heilt, sondern der Patient heilt sich selbst.
Jeder Einzelne übernimmt selbst Verantwortung und entscheidet eigenständig über seine Gesundheit.

Deshalb ist für mich auch Prävention so wichtig. Denn je früher ich gesundheitliche Risiken erkenne, desto einfacher und effektiver kann ich gegensteuern.”

Quelle: Website Gesundheitszentrum Fuschelberger

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Herr Dr. Fuschelberger für seine Zeit bedanken und dafür, dass er seine wertvolle Expertise und Erfahrungen mit mir und allen Lesern des Blogs myFODMAP teilt.

Wenn du mehr über die Arztpraxis und Leistungen von Herrn Dr. Fuschelberger erfahren willst, dann klicke unbedingt auf den Button!

Ich hoffe, das Interview mit Herrn Dr. Fuschelberger hat dir genauso gut gefallen wie mir und konnte dir wertvollen Input für deine Darmgesundheit und den Umgang mit Beschwerden mithilfe von Low Fodmap bieten. Ich selbst bin begeistert von den Antworten auf die Fragen und ich konnte dadurch wieder sehr vieles lernen.

Wenn dir das Interview gefallen hat und du dir Blogbeiträge öfters in dieser Form wünscht, dann schreib das bitte unten in die Kommentarbox. 😊

Alles Liebe, deine Susi <3

Zum Schluss: Ich bin keine Ärztin! Bevor du eine SIBO-Diät, FODMAP-reduzierte Ernährung oder andere Therapie in Betracht ziehst, musst du mögliche organische Erkrankungen durch einen Facharzt abklären lassen! Diese Website dient nicht der Eigendiagnose und/oder als Anleitung zur Eigentherapie!

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Andrea

    Super interessant und informativ! Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag! 😍 Bitte unbedingt mehr davon!

    1. Susi von myFODMAP

      Vielen lieben Dank du Liebe, freut mich so! Da kommt auf jeden Fall noch mehr! 😍

  2. Sarah

    Hallo liebe Susi,
    Danke für den tollen Beitrag.
    Es war sehr spannend und hilfreich den Beitrag zu lesen, vorallem hast du super gute Fragen gestellt, die wirklich sehr hilfreich für das Thema sind.
    Vielen lieben Dank, du hast es spitze gemacht.
    Lg

    1. Susi von myFODMAP

      Vielen Dank liebe Sarah für dein tolles Feedback, freut mich sehr! ❤

  3. Sehr interessant dein neuer Blogbeitrag mit Dr. Fuschelberger! Ich muss dich das fragen, da er Unverträglichkeiten auch testet! 🙄 was sagt er zur A2 Milch?

    1. Susi von myFODMAP

      Lieber Gerhard, danke für dein Feedback und die spannende Frage. Ich werde sie an Dr. Fuschelberger weiterleiten & dir hier berichten! 😊

  4. Nadine

    Liebe Susi, der Beitrag ist dir wieder sehr gut gelungen! Total interessantes Interview.
    Finde Interviews mit Frage -Antwort generell sehr angenehm zu lesen. Vielleicht gibts ja öfters so einen Beitrag – wär cool !

    Danke für deine Leidenschaft zu diesem Thema! <3

    1. Susi von myFODMAP

      Herzlichen Dank liebe Nadine, für dein liebes Feedback! ❤

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