Heilfasten Teil 3: Die Tage danach

  • Lesedauer:14 min Lesezeit

Schön, dass du hier bist! Auf meinem Blog möchte ich verschiedene Themen rund um Reizdarm, Ernährung & Co. erklären, hinterfragen und diskutieren.

Deine Susi

Was ist nun dran, an diesem Fastenbrechen, ist es tatsächlich so schwierig? Die Antwort ist JA. Es ist nämlich so, dass die Umstellung von normaler Ernährung auf das Heilfasten deutlich einfacher für unseren Körper ist, als die Umstellung vom Fasten auf normale Ernährung.

Heilfasten Prozess

Du kennst dieses Bild vielleicht schon aus Teil 2 dieser Blogserie. Da es so enorm wichtig ist, zeige ich es dir an dieser Stelle aber einfach noch einmal. Damit möchte ich dir verdeutlichen, dass die Aufbautage mindestens die gleiche Aufmerksamkeit verdienen, wie die Fastentage selbst.

Dein Körper stellte einige Prozesse während den Fastentagen um, damit du weiterhin ausreichend versorgt wurdest. Damit er nun bestmöglich wieder zurück in den normalen Alltag mit Essen und Verdauung zurückfindet, braucht es deine Unterstützung. Dafür gibt es die Aufbautage. Denn während dieser Tage führst du deinen Körper langsam wieder zurück in einen normalen Zustand. Damit die Effekte des Fastens so lange wie möglich bestehen bleiben und du das meiste aus dieser Zeit für dich mitnehmen kannst, solltest du bestimmte Dinge unbedingt beachten.

Für die zwei Aufbautage nach den Fastentagen gelten folgende Grundregeln:

Die Produktion der Verdauungssäfte

Während der Fastentage stellt der Organismus die Produktion von Verdauungssäften ein. Dadurch verspürst du an diesen Tagen auch wenig bis keinen Hunger. Die Wiederherstellung von Verdauungssäften braucht Zeit, da diese nicht sprunghaft, sondern stufenweise aktiviert wird.

Unterstütze die Saftproduktion indem du darauf achtest....

Kräftig kauen
Rohkost
Fruchtsäuren (aus Äpfeln)
Milchsäuren (aus Sauermilch oder Joghurt)
Gewürzkräuter

Und indem du das vermeidest....

Eile
Hetze
Stress
Kalte Füße
Ärger
Kalte Speisen

Das Geschieht im Körper während der Aufbautage

Der Kreislauf

Während der Fastentage hat unser Kreislauf weniger zu tun als normalerweise. Rund ein Drittel des Kreislaufs ist nämlich notwendig, um die Verdauung zu meistern.
Nach der Fastenperiode kann es sein, dass deine körperliche Leistung erstmal abnimmt. Müdigkeit, mentale Leere und sogar Schwindelgefühle sind an den Aufbautagen kein Grund zu Sorge, sondern völlig normal.

Ein Nickerchen nach den Mahlzeiten hat mir an diesen Tagen sehr geholfen. Es hilft mir auch an allen anderen Tagen, unabhängig vom Fasten 😉

Wasser im Körper

Zur Erzeugung von Verdauungssäften benötigt dein Körper Wasser. Daher behält der Körper bis zu 1 Liter Wasser bei sich, um alle Prozesse wieder in Gang zu bringen. Neben der Verdauungssaftproduktion braucht dein Körper auch Flüssigkeit, um die Schleimhäute zu befeuchten, den Kreislauf in Schwung zu bringen und die Innenspannung der Körperzellen zu erhöhen. Sei also bitte nicht verwundert, irritiert oder gar enttäuscht, wenn die Waage eine Gewichtssteigerung anzeigt. Das ist vollkommen normal und soll so sein! Greif keinesfalls zu künstlichen Entwässerungsmitteln! Trink unbedingt weiterhin viel, denn auch für einen weichen und fülligen Stuhl ist ein ausgeglichener Wasserhaushalt ausschlaggebend.

Die Darmfunktion

Der Darm entleert sich am besten dann, wenn er gefüllt ist. Daher kann es bis zu 3 Tage bis zu deinem ersten Stuhlgang nach dem Fasten dauern.
Ich selbst gehöre zu jenen Personen, die zu Verstopfungen neigen. Aus diesem Grund habe ich mich ballaststoffreich ernährt, um eine große Menge an natürlichen Füllmitteln und Weichmachern zu mir zu nehmen. Das sind zum Beispiel:

Darmflora

Leinsamen

immer in Kombination mit viel Flüssigkeit!

darmflora

Frisches Obst & Gemüse

Viel davon! Auf der Lebensmittelliste findest du Low Fodmap Alternativen.

microbiom

Vollkorn Produkte

Wähle Produkte, die du gut verträgst.

Tee

Wasser & Tee

Viel davon! 1,5 - 2 Liter pro Tag!

Bewegung

Egal welche Art, Hauptsache bewegen!

Stuhlgang

Zeit für die Toilette nehmen

Nimm dir Zeit für deinen Stuhlgang

Dörrpflaumen & Feigen

Weiche sie über Nacht ein und genieße sie am Morgen.

Wasserhaushalt

In der Früh ein Glas Wasser

Trinke auf nüchternen Magen ein Glas warmes Wasser, wenn du zu einem nervösen Darm tendierst. Trinke ein Glas kaltes Wasser, wenn dein Darm zur trägen Sorte zählt. Eine Mix aus Wasser und Sauerkrautsaft (1:1) ist ebenso wirkungsvoll.

Was tun, wenn's bläht?

Während der Aufbautage kann es sein, dass du vermehrt unter Blähungen leidest. Vermutlich nimmst du Gase nach dem Fasten noch viel bewusster wahr, weil du während der Fastentage keine Beschwerden hattest. Gerate also nicht Panik, sondern lass deinen Darm werkeln und wieder in Schwung kommen. Um die Blähungen zu reduzieren, helfen diese drei Tipps:

Ein Mix aus STolz, Dankbarkeit und Verlustangst

Während ich an den Fastentagen immer ausgeschlafen habe, wachte ich am ersten Aufbautag lange vor dem Wecker auf. Die Aufregung war zu groß, endlich wieder essen zu können!

 
6 Uhr Früh – Meine erste Mahlzeit: Ein geriebener Apfel mit etwas Zimt darüber.
Diese Süße! Oh Mann, die war unglaublich! Noch nie hatte ich den Geschmack eines Apfels so intensiv wahrgenommen. Und noch nie war ich nach einem Apfel so satt! 😁


Es hielt noch einige Tage an, dass ich überdurchschnittlich schnell satt wurde und ich versuchte diese Bewusstheit so lange wie möglich beizubehalten.
Mein Geschmackssinn schien wie neu geboren zu sein! Ich war richtig begeistert, wie jede noch so einfache Mahlzeit eine Geschmacksexplosion verursachte.

Aufbautag

An jenem Morgen des ersten Aufbautages war ich aufgeregt und vorfreudig. Doch recht bald bemerkte ich eine innerliche Unruhe und Anspannung. Anstelle froh, stolz und euphorisch zu sein, dass ich mein Fastenvorhaben geschafft hatte, fühlte ich mich deutlich unwohler als die Tage zuvor. Es war unverständlich für mich, schließlich waren meine beiden Fastenbuddys total gut drauf und freuten sich auf das Essen und ich, ich erstarrte.

Warum war das so? Ich konnte es nicht erklären, aber es fühlte sich wie eine große Last an, die ich zu tragen hatte. Es schien, als wäre der körperliche Entgiftungsprozess abgeschlossen, für die mentale Entgiftung fehlte noch etwas. Ich wusste nur leider nicht was. So stand ich am ersten Aufbautag zu Hause in meinem Badezimmer und von einer auf die andere Sekunde brach ich in Tränen aus. Es gab keinen Auslöser, es passierte einfach. Ich beschloss es zuzulassen, mich nicht zu wehren. Ich ließ es raus.

Nach einigen Minuten fand ich mich am Boden meines Badezimmers wieder, die Augen geschwollen und einem Ausdruck von Erleichterung im Gesicht. Irgendetwas musste raus und hatte eben seinen Weg dorthin gefunden.

Es dauerte ein wenig, bis ich erkannte, was in mir passiert war. Während der Fastentage verspürte ich an keinem einzigen Tag auch nur einen Ansatz einer Reizdarmsymptomatik. Nichts. Kein Blähen, Zwicken oder Ziehen. Es war, als wäre der mein Darm einfach nur da. Da, wie es auch meine Arme sind zum Beispiel. Ich weiß, dass sie da sind, aber ich spüre sie nicht. Weißt du was ich meine? 😄

An diesen Aufbautagen fühlte es sich für mich an, als würde ich diese Symptomfreiheit aufgeben müssen. Unterbewusst war das Fastenbrechen für mich keine Erlösung, sondern es war gekoppelt mit enormer Verlustangst. Der Verlust von Beschwerdefreiheit. Diese Angst verursachte Stress und so waren die Aufbautage für mich der intensivste Teil der gesamten Fastentage. Der intensivste aber auch der wertvollste Teil, wie ich später feststellen durfte.

Denn nicht nur meine Anspannung prägte meine Aufbautage. Ich war zutiefst fasziniert, wie klar ich meine Gedanken wahrnehmen konnte, wie bewusst ich im hier und jetzt war. Selten reflektierte ich so intensiv und klar über mich selbst, wie an diesen Tagen nach dem Fasten.

Diese Selbstreflexion ermöglichte es mir, dass ich meine innere Anspannung und Verlustangst erkennen, verstehen und umwandeln konnte. Mir wurde bewusst, wie unfassbar mächtig mein Körper war, wie stark und beeindruckend. Ich hatte ihm vier Tage lang keine Nahrung gegeben und er funktioniert weiterhin, einfach so.

Mit dieser Erkenntnis verschwand meine Angst und ein wohliges Vertrauen breitete sich aus. Vertrauen in meinen Körper. So lange hatte ich dieses Gefühl nicht mehr erlebt. Das fehlende Vertrauen in meinen Körper, aufgrund jahrelanger Reizdarmbeschwerden, hatte dazu geführt, dass ich meinem Körper nicht mehr zuhörte. Es war ausschließlich mein Kopf, der die Kontrolle übernommen hatte und sämtliche Entscheidungen traf. Signale meines Körpers interpretierte ich als Angriff gegen mich oder ich ignorierte sie schlichtweg.

Ich stelle mir immer vor, dass fehlendes Vertrauen zwischen Kopf und Körper dazu führt, dass sich die beiden voneinander entfernen. Immer weiter. Je weiter sie sich voneinander entfernen, desto schwerer ist es, die Signale zu hören und umso weniger kann auf die Bedürfnisse des anderen eingegangen werden. Aufgrund meiner jahrelangen Reizdarmbeschwerden entfernten sich mein Kopf und Körper nicht nur voneinander, sondern mein Kopf begann den eignen Körper als eine Art Gegner zu betrachten. Und einem Gegner bietet man die Stirn, man versucht ihn zu besiegen, aber man hört ihm nicht zu!

Durch die Fastenerfahrung erkannte ich erstmals wieder, dass mein Körper nicht gegen mich arbeitet, sondern dass alles was er tut, für mich und mein Wohlergehen geschieht. Ich erkannte, dass mein Körper sogar bzw. gerade ohne mentale Kontrolle genau weiß, was für mich gut ist. Wie oft am Tag fragte ich ausschließlich meinen Kopf: „Soll ich etwas essen? Habe ich Hunger oder doch nicht? Ist es Zeit für einen Snack? Möchte ich etwas Gesundes essen? Will ich heute lieber naschen?….“, ohne dass ich einmal in meinen Körper hineinhörte. Ich überließ die gesamte Kontrolle meinem Kopf und war irritiert, wenn der Körper sich dagegen sträubte.

Nach dem Fasten war es anders. Ich spürte klar, wie mein Kopf und mein Körper sich näherkamen. Ich ließ die Kommunikation nicht nur von Kopf in Richtung Körper zu, sondern auch von Körper in Richtung Kopf. Diese kleine aber doch so riesige Veränderung erlaubte es mir mental auszuspannen und es fühlte sich grandios an! Bis heute spüre ich, dass mein Kopf und mein Körper zu einem Team wurden. Selbst an Tagen mit starken Beschwerden verurteile ich meinen Körper nicht mehr so stark wie zuvor und gehe in einen Verteidigungsmodus. Nein, ich stehe ihm bei und höre hinein.


Ich bin davon überzeugt, dass es diese Fastentage gebraucht hat, damit ich diese Erkenntnis so intensiv spüren durfte.

Fasten-Learnings und was ich anders machen würde

Die gesamte Fastenzeit war eine außerordentlich wertvolle Erfahrung für mich und meine Fastenbuddys und ich bin mir sicher, dass ich mir mindestens einmal pro Jahr eine Fastenkur gönnen werde.

Ich bin keine Fastenspezialistin und meine Beiträge sind rein persönliche Erfahrungen, aber ich lege dir wirklich ans Herz, alle drei Fastenteile – Entlastungstage / Fastentage / Aufbautage – gleich ernst zu nehmen und genügend Zeit dafür einzuplanen.

Wie ich dir in Teil 2 dieser Blogserie auch schon mitgegeben habe, finde ich es unbezahlbar, wenn gemeinsam gefastet wird. Such dir jemanden aus deinem Freundeskreis oder aus deiner Familie und erlebt das Fasten gemeinsam.

Bei meiner nächsten Fastenzeit werde ich besonders in der Aufbauphase eine ärztliche Beratung hinzuziehen. Denn ich möchte mit dem Fasten das bestmögliche Ergebnis erzielen und bin mir sicher, dass der Arzt meines Vertrauens mir wertvollen Input geben kann und ich dadurch mehr Sicherheit in diesem Fastenabschnitt erlangen werde.

Meine Mahlzeiten während der Aufbautage

Aufbautag

Wenn du Lust aufs Fasten bekommen hast, dann lies dir unbedingt auch Teil 1 und 2 dieser Blogserie durch. Auf meinem Instagram Profil kannst du gerne in meinen Story Highlights zum Fasten vorbeischauen.

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Alles Liebe, deine Susi <3

Zum Schluss: Ich bin keine Ärztin! Bevor du eine SIBO-Diät, FODMAP-reduzierte Ernährung oder andere Therapie in Betracht ziehst, musst du mögliche organische Erkrankungen durch einen Facharzt abklären lassen! Diese Website dient nicht der Eigendiagnose und/oder als Anleitung zur Eigentherapie!

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